Grusswort zur Eröffnung des Stationenwegs zur Täufergeschichte

24. August 2018, Erlacherhof, Bern

Liebe Anwesende

Herzlichen Dank, dass ich mit Ihnen diesen Stationenweg eröffnen darf. Es ist ein besonderer Weg: Ich habe schon etliche Foxtrails begehen dürfen und sie haben mich immer auf spannende Art und Weise meine Ergebung neu entdecken lassen. Mit dem Weg, denn wir heute eröffnen, entdecken wir einen Teil der Geschichte wieder – Ereignisse, die in Bern vielleicht nicht mehr so bekannt sind, aber gerade in der heutigen Zeit in Erinnerung gerufen werden sollten.

Im Zentrum dieser Ereignisse stehen Menschen, die Täuferinnen und Täufer, deren Religion den Obrigkeiten nicht passte: Es ging ihnen um Selbstbestimmung und Gewaltlosigkeit. Getauft haben sie Erwachsene, die selber über ihren Glauben bestimmen konnten, und nicht Kleinkinder, die dazu noch keine Meinung haben. Die Trennung von Kirche und Staat war ihnen wichtig. Aus heutiger Sicht hatten sei ein sehr modernes Religionsverständnis. Und dieses Religionsverständnis, das Selbstbestimmung beinhaltet, stellte die herrschenden Machtverhältnisse in Frage. Die Täuferinnen und Täufer sind als Bedrohung wahrgenommen worden, man verfolgte sie, stellte sie an den Pranger oder tötete sie gar. Um diesem Schicksal zu entgehen, haben sie ihre Heimat verlassen, haben Asyl gesucht, vor allem in den USA, aber auch im europäischen Ausland. In der Schweiz sind 13 Täufergemeinden übrig geblieben, die heute hier in Frieden leben dürfen. Eine davon ist die Mennonitengemeinde Bern.

Ich hoffe, dass die Leute, die sich auf den Stationenweg machen, die Geschichte nicht nur als Blick in die Vergangenheit mit Happy End erleben. Denn die Geschichte wiederholt sich: Auch heute werden Menschen aufgrund ihrer Religion verfolgt. Hier in der Schweiz verbieten wir seit einigen Jahren Minarette. Wir sind drauf und dran, Kleidervorschriften für Musliminnen in die Verfassung zu schreiben. Und im mächtigsten Land der Erde würde der Präsident am liebsten allen Musliminnen und Muslimen die Einreise verbieten.

Die Schweiz ist ein Migrationsland: Lang hat uns die Emigration geprägt. Die Täuferinnen und Täufer waren nicht die Einzigen, die ihre Schweizer Heimat verliessen, um in einer neuen Heimat mehr Sicherheit und eine bessere Zukunft zu finden. Heute kommen Menschen mit dem gleichen Ziel in die Schweiz. Sie sind verfolgt aufgrund ihrer Gewaltfreiheit – z.B. weil sie keinen Militärdienst leisten wollen -, aufgrund ihres Glaubens oder weil sie die Macht der Obrigkeiten in Frage stellen. Wie seinerzeit die Täuferinnen und Täufer. Wie diese eine neue Heimat gefunden haben, sollen die Menschen, die heute auf der Flucht sind, in der Schweiz eine sichere Zuflucht finden und in Frieden leben können.

Wir können die Vergangenheit nicht ungeschehen machen, aber wir können aus Fehlern lernen. Wir können lernen, dass wir nicht aus Angst um unsere Macht Menschen bekämpfen, die nicht glauben, was wir glauben, und die andere Ideale haben als wir. Der Stationenweg als Weg in die Berner Geschichte soll uns daran erinnern. Herzlichen Dank der Mennonitengemeinde Bern, der Kirchgemeinde Münster, dem Patronatskomitee und allen anderen Organisationen, die uns diese Möglichkeit geben.

Stationenweg zur Täufergeschichte in Bern