Internationaler Frauentag: Die Wut der Frauen

8. März 2018, Waisenhausplatz Bern

Liebe Frauen und solidarische Männer

Vor einem Jahr haben wir auf dem Bundesplatz Pussyhats gestrickt. Auch im Bundeshaus sind Pussyhats gestrickt worden. Wir waren alle wütend – wütend, dass Diskriminierung immer salonfähiger wird, wütend, dass ein Sexist wie Trump an die Macht gekommen ist, wütend, dass auch in der Schweiz die Macht immer noch beim Geld und den Männern ist. Wir haben diese Wut auf die Strasse getragen – 15’000 waren wir am Women’s March in Zürich. Es war ein starkes Zeichen – ans Parlament, an die Medien, an die Macht.

Heute sind wir noch wütender. Denn die Macht und das Geld ignorieren uns, wollen nicht hören und diskriminieren blind weiter. Im Aargau haben sie die Fachstelle für Gleichstellung abgeschafft – zu unbequem für Macht und Geld war sie. Und eine Männermehrheit im Ständerat hat letzte Woche alle Massnahmen gegen Lohndiskriminierung boykottiert. Unter dem Vorwand, man(n) wolle die Massnahmen verschärfen, schickten sie diese an die zuständige Kommission zurück – freiwillige Alternativen sollen her.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben es seit Jahrzehnten mit freiwilligen Massnahmen versucht – diese taugen nicht!!! Freiwillige Massnahmen helfen den Mächtigen, ihre Pfründe zu verteidigen, anstatt dieses fair mit uns zu teilen. Es ist seit Jahren bekannt, was für die Lohngleichheit zu tun wäre: Lohnkontrollen und Sanktionen für Arbeitgeber, die uns Frauen unser Geld vorenthalten! Nur tun müssen wir es.

Es gibt keinen Grund, weiter zu warten. Wer wie die Dinosauriers im Ständerat mit Störmanövern den Prozess aufhält, will keine Verbesserungen, ist aber zu feige, dies zuzugeben! Was die männliche Ständeratsmehrheit letzte Woche geboten hat, ist ein Affront gegenüber allen Frauen – insbesondere auch gegenüber den Fraktionskolleginnen, die die Vorlage vertreten haben und vom geplanten Verzögerungscoup nichts gewusst hatten. Wir haben die Geduld verloren, uns reicht es! Wir wollen Lohnkontrollen jetzt. Wir wollen: Lohngleichheit. Punkt. Schluss!